Donnerstag, 22. Juni 2017

Kuchen backen

Unsere Kindergartenkinder sind anfangs oft sehr schüchtern und haben ein geringes Selbstwertgefühl. Zuhause werden sie selten bis nie gelobt und gefördert schon gar
nicht. Somit trauen sie sich wenig zu und scheuen sich, Neues auszuprobieren. Und Neues gibt es im Kindergarten ohne Ende. Es sind oft ganz einfache, alltägliche Dinge und Aktivitäten, die für die Kinder aber völlig unbekannt und damit beängstigend sind. Zum Beispiel Kuchen backen.
Gestern fragte ich vier der neuen Kinder, ob sie Lust hätten, mit mir einen Kuchen zu backen. Sie schauten mich mit großen Augen fragend an. Backen?? Damit konnten sie gar nichts anfangen und sie hatten keine Ahnung, was auf sie zukommen wird. Ich fordere die Kinder gerne heraus und setzte sie kurzerhand an den Küchentisch und band ihnen die Schürzen um. Ein Junge weigerte sich, die Schürze anzuziehen (man kann
ja nie wissen was passiert, wenn man so ein komisches Teil angezogen bekommt...). Ein anderes Mädchen hatte Tränen in den Augen. Die Jüngste war mehrmals kurz davor, vom Stuhl zu hüpfen und in den Gruppenraum zu rennen. Das vierte Kind
jedoch freute sich und bedankte sich sogar bei mir, dass ich ihr
"Backen" beibringen werde.
Als ich die Zutaten auf den Tisch stellte und sie fragte, ob sie
etwas davon kennen, schauten mich wieder acht Augen groß an- ein Mädchen konnte dann zumindest das Mehl benennen.
Zutaten abwiegen, Eier aufschlagen, Butter und Schokolade
schmelzen und dann alles mit einem Gerät, welches "Mixer" heißen soll, vermischen- wie soll denn daraus ein Kuchen werden?? Als wir den Teig fertig hatten, fragte ich die Kinder, was wir wohl nun tun müssen, damit das Ganze zu einem
Kuchen wird. Wieder schaute ich in ratlose Gesichter. Ein Mädchen hatte dann die Idee, die Schüssel in den Kühlschrank zu stellen. Ich fand dies eine gute Idee, schlug aber vor, den Teig vielleicht doch besser in den Ofen zu stellen.
Damit kam natürlich die Frage auf, was eigentlich ein Ofen ist, und wo sich dieser im Kindergarten befindet. Umso erstaunter waren sie, dass wir praktisch direkt neben dem Ofen saßen- diesen hatten sie noch gar nicht wahrgenommen. Als wir also die vier kleinen Kuchenformen endlich in den Ofen schoben und es anfing zu duften, wurde das Lächeln auf den Gesichtern immer größer. Und als sie am Ende "ihren" Kuchen verzieren und mit nach Hause nehmen durften, strahlten sie über beide Ohren hinaus!
Ich bin mir sicher, dass sie bei der nächsten Gelegenheit zu backen mit Begeisterung dabei sein werden.


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