Mittwoch, 28. Juni 2017

Mütterseminar

Heute kamen nicht die Kinder, sondern die Mütter in den Kindergarten. Wir haben sie zu einem zweitägigen Seminar zum Thema Missbrauch und Umgang mit Missbrauch eingeladen. Hierzu haben wir eine Sprecherin einer Organisation eingeladen, die therapeutisch mit Menschen in Slumgebieten arbeitet, welche traumatische Erlebnisse durchgemacht haben.
Leider ist Missbrauch ein Thema, welches uns immer wieder beschäftigt, weil es sehr viele Kinder (und auch Mütter) im Slum betrifft. Die Auswirkungen von Missbrauch ist vielen nicht
bewusst. Aus Angst und Scham wird vieles verheimlicht, verdeckt und als "Das ist doch nicht so schlimm, da wird das Kind schon drüber hinwegkommen- ich hab es schließlich auch überlebt." abgetan.
Bei dem Seminar ging es u.a. darum, Missbrauch zu definieren, zu erkennen und Betroffenen zu helfen, anstatt wegzuschauen. Es wurden ganz praktische Wege aufgezeigt, an wen man sich wenden kann und wie man Betroffene unterstützen kann. Es ging auch darum, die eigene Vergangenheit zu beleuchten.
Es gab so einige Aha-Momente und die Mütter waren sehr dankbar, dass wir das Seminar organisiert haben.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Kuchen backen

Unsere Kindergartenkinder sind anfangs oft sehr schüchtern und haben ein geringes Selbstwertgefühl. Zuhause werden sie selten bis nie gelobt und gefördert schon gar
nicht. Somit trauen sie sich wenig zu und scheuen sich, Neues auszuprobieren. Und Neues gibt es im Kindergarten ohne Ende. Es sind oft ganz einfache, alltägliche Dinge und Aktivitäten, die für die Kinder aber völlig unbekannt und damit beängstigend sind. Zum Beispiel Kuchen backen.
Gestern fragte ich vier der neuen Kinder, ob sie Lust hätten, mit mir einen Kuchen zu backen. Sie schauten mich mit großen Augen fragend an. Backen?? Damit konnten sie gar nichts anfangen und sie hatten keine Ahnung, was auf sie zukommen wird. Ich fordere die Kinder gerne heraus und setzte sie kurzerhand an den Küchentisch und band ihnen die Schürzen um. Ein Junge weigerte sich, die Schürze anzuziehen (man kann
ja nie wissen was passiert, wenn man so ein komisches Teil angezogen bekommt...). Ein anderes Mädchen hatte Tränen in den Augen. Die Jüngste war mehrmals kurz davor, vom Stuhl zu hüpfen und in den Gruppenraum zu rennen. Das vierte Kind
jedoch freute sich und bedankte sich sogar bei mir, dass ich ihr
"Backen" beibringen werde.
Als ich die Zutaten auf den Tisch stellte und sie fragte, ob sie
etwas davon kennen, schauten mich wieder acht Augen groß an- ein Mädchen konnte dann zumindest das Mehl benennen.
Zutaten abwiegen, Eier aufschlagen, Butter und Schokolade
schmelzen und dann alles mit einem Gerät, welches "Mixer" heißen soll, vermischen- wie soll denn daraus ein Kuchen werden?? Als wir den Teig fertig hatten, fragte ich die Kinder, was wir wohl nun tun müssen, damit das Ganze zu einem
Kuchen wird. Wieder schaute ich in ratlose Gesichter. Ein Mädchen hatte dann die Idee, die Schüssel in den Kühlschrank zu stellen. Ich fand dies eine gute Idee, schlug aber vor, den Teig vielleicht doch besser in den Ofen zu stellen.
Damit kam natürlich die Frage auf, was eigentlich ein Ofen ist, und wo sich dieser im Kindergarten befindet. Umso erstaunter waren sie, dass wir praktisch direkt neben dem Ofen saßen- diesen hatten sie noch gar nicht wahrgenommen. Als wir also die vier kleinen Kuchenformen endlich in den Ofen schoben und es anfing zu duften, wurde das Lächeln auf den Gesichtern immer größer. Und als sie am Ende "ihren" Kuchen verzieren und mit nach Hause nehmen durften, strahlten sie über beide Ohren hinaus!
Ich bin mir sicher, dass sie bei der nächsten Gelegenheit zu backen mit Begeisterung dabei sein werden.


Samstag, 3. Juni 2017

Schulanfang

Auf den Philippinen beginnt nächste Woche das neue Schuljahr. Von unseren Kindergartenkindern werden sieben Kinder eingeschult. Jedes dieser Kinder bekam heute
zum Abschied ein Fotoalbum mit Fotos aus der Kindergartenzeit. Die Filipinos lieben Fotos und somit freuen sich die Kinder und Mütter immer riesig über das Fotoalbum.
Als ich in den letzten Tagen die Fotos der vergangenen 2,5Jahre durchging,bin ich sehr dankbar geworden. Wie haben die Kinder sich verändert.
C. kam mit drei Jahren zu uns. Sie sprach kein Wort, war sehr schüchtern und fing schnell an zu heulen. Inzwischen ist sie ein sehr selbstbewusstes Mädchen geworden, die für ihr Leben gerne singt.
Auch H. war am Anfang sehr schüchtern und stand oft in der Ecke und hat die anderen Kinder nur beobachtet beim Spielen. Nach kurzer Zeit
taute sie auf. H. liebt Sport über alles und sie ist die erste, die ohne Furcht auf dem Klettergerüst bis ganz oben klettert. Ihre Mutter ist inzwischen gläubig geworden.
Z. hat uns immer wieder zum lachen gebracht mit seiner Schlagfertigkeit.
Wir sind dankbar für alles, was wir in das Leben dieser Kinder und ihrer Eltern investieren konnten.
In dieser Woche haben wir die erste Gruppe von (fünf) neuen Kindern aufgenommen, die zunächst nur für drei Stunden und mit ihrer Mutter in den Kindergarten kommen. Wenn diese Kinder sich eingewöhnt haben, werden wir weitere sechs Kinder aufnehmen. Mit knapp 30 Kindern wird es dann erst einmal wieder einen Aufnahmestop geben, obwohl die Warteliste sehr lang ist.