Dienstag, 29. März 2016

Die Mütter von Solid Cement

Die Mütter unserer Kindergartenkinder sind oft komplett überfordert mit ihrer Lebenssituation. Während viele der Väter drogen- und alkoholabhängig sind, sind etliche der Mütter spielsüchtig. Im Slum gibt es an jeder Ecke einen Spieltisch. Oft verbringen die Mütter den ganzen Tag dort und hauen ihr Geld auf den Kopf, während ihre Kinder Hunger haben und sich selbst überlassen sind.
Als wir mit dem Dienst begannen, war ich oft sehr frustriert darüber. Die Problematiken im Slum sind sehr komplex und es gibt keine einfachen Lösungen.
Seminar für die Mütter
So fingen wir an, in die Mütter zu investieren. In Zusammenarbeit mit meiner Gemeinde besuchen wir die Mütter/Familien regelmäßig, bieten Seminare, Jüngerschaftskurse, Seelsorge usw an.
Nicht alle Mütter nehmen diese Angebote wahr. Jedoch gibt es einige, die sehr offen sind und versuchen, das Gelernte in ihrem Alltag umzusetzen.
So zum Beispiel M.: Immer wieder erzählte ihr Sohn im Kindergarten, wie seine Eltern sich betrinken und der Vater dann seine Bastelarbeiten kaputt macht. Oft sahen wir die Mutter am Spieltisch und alle Versuche, ihr einen besseren Weg aufzuzeigen, schienen vergeblich. Vor einiger Zeit zeigte sie plötzlich Interesse an einem Hilfe zur Selbsthilfe Projekt.
Nachdem wir ihr beigebracht hatten, wie man Fußmatten herstellt, bat sie um einen Webrahmen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fuhr sie auf einen Markt, der relativ weit weg ist von dem Slumgebiet, kaufte einen 20Kg schweren Sack Stoff und fing an, zu weben...Den Spieltisch scheint sie mittlerweile vergessen zu haben. Sie webt den ganzen Tag, bis ihr die Hände weh tun. Inzwischen hat sie sogar andere Frauen aus dem Slum angelernt, mit denen sie früher zusammen am Spieltisch saß!!! Die Qualität ihrer Fußmatten wurde immer besser, so dass sie viele Aufträge bekommt.
Die Fußmatten und Topflappen
Auch bei ihrer Nachbarin S. sehen wir ermutigende Veränderungen. Sie kam eines Tages totkrank zu uns in die Arztpraxis. Abgemagert und ihre Lungen von TB befallen, konnte sie ohne Hilfe nicht mehr laufen. Unser Team konnte sie an eine Praxis überweisen, die von einem amerikanischen Arzt und Missionar geleitet wird. Durch den Kontakt zu den Missionaren hörte sie das Evangelium, wurde gläubig und inzwischen ist sie wieder gesund und fit. Sie arbeitet bei uns im Kindergarten mit und ist außerdem in ihrer Gemeinde sehr aktiv. Ihre kleine Hütte ist immer offen für die Kinder aus der Nachbarschaft. Ihr Mann hat vor der Hütte Platten gelegt, sie haben eine Bank aufgestellt und laden nun Kinder ein, bei ihnen Bilderbücher zu lesen. Dafür hat sie strenge Regeln aufgestellt- die Kinder dürfen sich nicht streiten und nicht fluchen. Kinder, die von ihren Eltern verlassen wurden, nimmt sie vorübergehend auch in ihrer Familie auf, obwohl sie selber kaum genug zu essen haben. Gemeinsam mit einer anderen Kindergartenmutter ist sie nun auch verantwortlich für eine Essensausgabe für unterernährte Kinder aus dem Slum. Diese wird von einer anderen Organisation finanziert und die beiden Mütter gehen zum Markt, kochen, geben das Essen aus und halten einmal in der Woche noch eine Andacht für die Kinder. Nachdem ihre Familie sah, wie sehr S. sich verändert hat, wurden auch ihre Schwester, ihr Schwager und deren Kinder gläubig. Ihr Schwager, der spielsüchtig war, ist nun in der Gemeinde aktiv, so auch seine gesamte Familie.
Eine unserer drei Jüngerschaftsgruppen
Auch A. arbeitet in unserem Kindergarten mit. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter lebt sie mitten im Slum. Nach 18h verlassen sie ihr kleines Häuschen aus Sicherheitsgründen nicht mehr. Jeden Abend haben sie eine kurze Familienandacht und beten gemeinsam. A. hat immer ein offenes Herz und eine offene Tür für die Kinder aus ihrer Nachbarschaft. Es kommt nicht selten vor, dass sich 20 Kinder in ihre Hütte quetschen, um auf dem alten Fernseher Videos von biblischen Geschichten zu schauen. An anderen Tagen ist die Hütte voll mit Erwachsenen, die A. zu einer Andacht eingeladen hat.
Ihre Nachbarin R. durfte an unserem Familientag teilnehmen, obwohl ihre Kinder noch nicht zu uns in den Kindergarten gehen. Sie war so berührt von der Botschaft und dem Zeugnis von Pastor Danny, dass sie ihren Mann davon überzeugen konnte, an einer Jüngerschaftsgruppe teilzunehmen. Inzwischen kommen sie beide regelmäßig und haben sogar als Ehepaar Seelsorge in Anspruch genommen. Kommentar von A., ihrer Nachbarin:"Seitdem die beiden Christen geworden sind, haben sie sich total verändert. Früher haben sie sich jeden Tag angebrüllt und der Vater hat seine Kinder regelmäßig verprügelt. Jetzt ist es ganz ruhig geworden!! Seit Wochen haben sie sich kein einziges Mal gestritten und die Kinder werden nicht mehr verprügelt!".
Wenn Menschen sich Gott zuwenden, geschieht Veränderung und es gibt für Gott keine hoffnungslosen Fälle. Wir beten, dass dies noch viele Familien von Solid Cement erleben dürfen!