Montag, 18. Januar 2016

Bäume und Gärten...

Das Slumgebiet in dem wir arbeiten liegt etwas außerhalb der Stadt. Die Kinder und ihre Familien verlassen den Slum so gut wie nie.
Es ist ein extrem dreckiges Gebiet. Obwohl es, im Vergleich zu den Slums in der Stadt, viel Grün gibt, kommt es einem nicht sehr grün vor...Über dem ganzen Gebiet liegt eine Schicht von feinem Zementstaub, somit sind die Bäume mehr grau als grün. Ein Zustand, der für deutsche Verhältnisse absolut undenkbar wäre.
Die großen Lastwagen brettern im Minutentakt mitten durch den Slum und wirbeln noch mehr Staub und Dreck auf. Müll wird verbrannt und die Ratten sind immer auf der Suche nach Essensresten.
Vor kurzem fuhr ich nach dem Kindergarten nach Hause. Direkt vor mir war ein Lastwagen, auf dessen Ladefläche vom Fahrer unbemerkt zwei Jungs die Zementreste zusammenkratzten. Als sie ihren Sack gefüllt hatten, sprangen sie während der Fahrt von der
Ladefläche ab und verschwanden mit ihrer Beute.
Es ist uns wichtig, mit den Kindergartenkindern immer wieder Ausflüge in die Umgebung zu machen. Dies erweitert ihren Horizont und es ist jedes Mal ein Highlight für die Kinder.
Momentan beschäftigen wir uns mit dem Thema Bäume, Gärten und damit, was im ersten Garten passierte.
Passend dazu konnten wir den Garten einer naheliegenden Bibelschule besuchen. Dieser ist wunderschön angelegt und
gleicht schon fast einem kleinen, botanischen Garten.
Ich war mir nicht sicher, ob die Kinder dies interessant finden würden, oder ob der Ausflug ein Reinfall werden würde.
Die Kinder fanden es alles andere als langweilig und ihre Reaktionen waren filmreif. Sie kamen aus dem Staunen nicht heraus. So viele schöne (grüne!!) Bäume und Blumen. An fast jeder Blüte wurde gerochen, an den Bäumen hängende Früchte bestaunt, heruntergefallene Blüten und Äste sammelten sie eifrig in ihren
kleinen Plastiktüten- als ob sie die Schönheit des Garten mit in den Slum bringen wollten.
Ein kleiner Junge hüpfte lachend durch den Garten und wusste gar nicht wohin mit seiner Freude.
Den ganzen Vormittag verbrachten wir bei ca.35 Grad Hitze auf dem Gelände der Bibelschule. Es gab keinen Streit, niemand hat sich beschwert oder gejammert und nebenbei haben die Kinder so einiges gelernt- zum Beispiel, dass Ananas nicht an Bäumen
wachsen.
Solche Aktivitäten tragen mit dazu bei, dass die Kinder enorme Fortschritte machen in ihrer Entwicklung. Viele Kinder sind nicht mehr wiederzuerkennen. Selbst die Nachbarn der Familien im Slum nehmen die Veränderungen in den Kindern wahr. So haben wir mittlerweile endlose Anfragen von Müttern, die gerne ihr Kind zu uns in den Kindergarten schicken würden...


Kinderandacht: "Was passierte im ersten Garten?"