Sonntag, 23. August 2015

Der Zahnarzt im Kindergarten



Unsere Kindergartenkinder haben mit sehr vielen Problemen und den Auswirkungen von Vernachlässigung zu kämpfen.
Ihre Lebensumstände zu Hause bringen es u.a. mit sich, dass bei manchen Kindern oftmals die Zähne schon im Alter von drei oder vier Jahren total verfault sind.
Die meisten putzen sich zu Hause nie die Zähne, gleichzeitig sind Bonbons und andere Süßigkeiten ein beliebtes "Beruhigungsmittel" der Mütter für ihre Kleinkinder.  Auch sind die Kinder es gewohnt, Kaffee (!) und Cola zu trinken.
Einen Zahnarzt gibt es im Slum natürlich nicht, und so werden aus kleinen Löchern große Löcher und es kommt vor, dass Kinder wegen Zahnschmerzen nicht in den Kindergarten kommen.
Es war klar, dass wir hier gut Hilfe gebrauchen könnten, da wir in unserer Rapha Arztpraxis bisher noch keinen Zahnarzt haben.
Ich gehe in eine große Gemeinde und die Hilfsbereitschaft unseren Dienst im Slum zu unterstützen, berührt mich sehr. So formierte sich schnell ein Team von vier Ärzten aus der Gemeinde, davon gleich zwei Zahnärzte, die unsere Kinder und zum Teil auch deren Geschwister und Mütter kostenlos behandelten. Ein Geschäftsmann (auch aus der Gemeinde), der bei einer Zahnpasta Firma arbeitet, spendete Zahnbürsten und Zahnpasta für alle Kinder.
Neben einer medizinischen Behandlung gab es auch eine evangelistische Botschaft für die Kinder und Mütter.
Es war ein rundum gelungener Einsatz mit einem guten Miteinander!










Sonntag, 9. August 2015

"Was is´n das für´n weißes Pulver? Das kauft mein Papa auch immer..."

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns im Kindergarten mit der Schöpfungsgeschichte.
Passend zu dem jeweiligen Schöpfungstag bieten wir verschiedene Aktivitäten an und machen Ausflüge.
In den letzten zwei Wochen ging es um die Tiere, die Gott erschaffen hat und speziell um Raupen und Schmetterlinge.
Zum ersten Mal hörten die Kinder, dass aus Raupen Schmetterlinge werden...und sie konnten es nicht glauben!!
So sind wir also zu einem nahegelegenen Park gefahren, wo es auch ein Schmetterlingshaus gibt. Dort konnten die Kinder die Raupeneier, Raupen, Kokons und natürlich unzählige Schmetterlinge bestaunen.
Am nächsten Tag haben wir Plätzchen gebacken- natürlich in Schmetterlingsform.
Es war für alle Kinder das erste Mal etwas zu backen. Zunächst stellte ich die Zutaten auf den Tisch und fragte die Kinder, ob sie
diese bennen können. Als Antwort bekam ich viele ratlose Gesichter...sie kannten weder Mehl, noch Butter- mit Zimtpulver konnten sie schonmal gar nichts anfangen.
Als wir später am Teig ausrollen waren, kam ein 6jähriger Junge
hinzu und beobachtete das Geschehen.  Auf einmal deutete er auf das Mehl: "Was is´n das für´n weißes Pulver? Das kauft mein Papa auch immer!"
Sein Vater ist drogenabhängig, seine Mutter spielsüchtig. Zu Hause geht es drunter und drüber. Die Kinder im Alter von 2-9 Jahren sind extrem vernachlässigt und praktisch den ganzen Tag, manchmal
auch in der Nacht, sich selber überlassen. Zwei der fünf Kinder konnten wir im Kindergarten aufnehmen. Fast täglich vergisst die Mutter ihre Kinder abzuholen. Morgens stehen sie manchmal schon um 6h hungrig vor der Tür und warten fast drei Stunden, bis wir um 8.45h kommen und der Kindergarten beginnt. Sie finden es ziemlich gut, dass es zu Beginn immer Obst und Kakao gibt...
Genau für solche Kinder wollen wir da sein.  Im Kindergarten erleben sie zumindest für einige Stunden am Tag Fürsorge und Geborgenheit, auch wenn wir momentan noch nicht täglich geöffnet haben. Wir hoffen, dass wir so schnell wie möglich unseren Neubau
fertigstellen können, damit wir die Tagesstätte regelmäßig von Montags bis Freitags öffnen können.
Die Plätzchen waren übrigens sehr lecker und die Kinder waren total begeistert dabei. Die Mütter kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, dass ihre Kinder so etwas geschafft haben!