Freitag, 25. Dezember 2015

"Der Papa ist am saufen!"

In der Adventszeit haben wir im Kindergarten immer wieder die Weihnachtsgeschichte erzählt. Als ich die Kinder Anfang Dezember fragte, warum wir denn Weihnachten feiern, bekam ich zunächst keine Antwort. Irgendwann sagte ein Mädchen:"Na weil es Weihnachten ist!"
Es war das erste Mal, dass die Kinder hörten, worum es eigentlich geht an Weihnachten.
In der letzten Woche hatten wir dann verschiedene Weihnachtsfeiern für die Kinder aus dem Slum- ein echtes Highlight für die Kids!
Unseren letzten Einsatz hatten wir an Heilig Abend. Zusammen mit einem Team aus meiner Gemeinde zogen wir schon früh am Morgen los. Der Kofferraum war voll mit Lebensmittelpaketen- eine großzügige Spende der Gemeinde. Es hat mich überrascht und auch berührt, dass wir eine relativ große Gruppe formieren konnten- der Pastor und seine Frau mit eingeschlossen- und die Leute bereit waren, den ganzen Vormittag an Heilig Abend im Slum zu verbringen.
Wir besuchten die ärmsten Familien im Slum, sangen Weihnachtslieder, beteten für sie und überreichten ihnen die Lebensmittel. Davon konnten sie sich ein schönes Festessen zubereiten.
Auf den Philippinen ist es in der Adventszeit Tradition, dass vor allem Kinder, aber auch Erwachsene, von Haus zu Haus ziehen, Weihnachtslieder singen und dann um Geld betteln. Somit waren die Familien sehr überrascht, dass wir kein Geld von ihnen wollten, sondern dass wir diejenigen waren, die sie beschenkten. Eine sehr arme Witwe kramte ein paar Peso hervor, die sie uns geben wollte. Als sie realisierte, dass wir ein Lebenmittelpaket für
sie hatten, fing sie vor Freude an zu weinen.
Es war nicht einfach zu sehen, wie manche unserer Kindergartenkinder Weihnachten verbringen würden. Ein Junge sah uns kommen und rief mir schon von weitem lauthals zu:"Der Papa ist am saufen!". Es war erst 10h am Morgen und der Vater war bereits angetrunken. Seine 3 jährige Tochter saß verstört in der Ecke. Was ihr wohl durch den Kopf ging? Ihr Vater ist so gut wie
nie zu Hause (es war das erste Mal, dass ich ihn sah). Wenn er mal auftaucht, dauert es nicht lange bis er betrunken oder high auf Droge ist.
In solchen Momenten bin ich dankbar für jede Minute, die diese Kinder bei uns im Kindergarten verbringen können.
Es wird mir auch immer wieder bewusst wie wichtig es ist, dass wir auch die Eltern der Kinder erreichen. Hier brauchen wir unbedingt Hilfe von Einheimischen.
So ist es wirklich eine Gebetserhörung, dass meine Gemeinde sich entschlossen hat ein Team zusammenzustellen, welches uns nun regelmäßig unterstützen wird. Der Einsatz an Heilig Abend war der Anfang einer Zusammenarbeit. Es war ein guter Anfang und für alle Beteiligten sehr bereichernd!

Freitag, 20. November 2015

Update Bauprojekt

Anfang des Jahres fingen die Bauarbeiten für unser Mehrzweckgebäude im Slum an. In dem zweistöckigen Gebäude wird genügend Platz sein für unsere Arztpraxis und die Kindertagesstätte.
Zur Zeit teilen wir uns als Dienst die angemieteten Räume.
Dies bedeutet, dass wir die Kita momentan nur an drei Tagen in der Woche öffnen können. An diesen Tagen müssen wir am Morgen alle Spielsachen im Gruppenraum herrichten und diese am
Nachmittag komplett wieder wegräumen. Wir freuen uns also schon jetzt auf den Umzug! Dann können wir die Kinder an fünf Tagen in der Woche betreuen und haben unseren eigenen Gruppenraum.
Der zukünftige Gruppenraum der Kita
Im Slum zu bauen bringt so einige Herausforderungen mit sich. Momentan laufen die Vorbereitungen für den Bau einer sieben Meter hohen Feuermauer- eine Auflage der örtlichen Behörden. Wenn im Slum ein Feuer ausbricht hat dies oft verheerende Folgen. Bis irgendwann mal die Feuerwehr auftaucht, sind oft
viele Hütten komplett abgebrannt. Es ist also einleuchtend, dass wir diese Auflage bekommen haben.
Nun gibt es allerdings ein Problem: für den Bau der Feuermauer muss unsere bisherige Mauer abgerissen
werden. Diese wird aber auch gleichzeitig als Hauswand von unseren Nachbarn genutzt...eine komplizierte Situation, wie man sich vorstellen kann.
Unsere Nachbarn
Nach dem Bau der Feuermauer steht der Bau der Stützmauer an. Wir bauen in einem Gebiet, wo es immer mal wieder Erdrutsche gibt und unser Grundstück liegt an einem sehr steilen Hang. Auch die Stützmauer ist also unbedingt notwendig. Hierfür beantragen wir gerade die Baugenehmigung. Bitte betet mit uns, dass wir Gunst haben bei den Behörden und wir die Genehmigung schnell und problemlos bekommen.
Um den Bau fertigstellen zu können, fehlen uns noch einige Spenden. Wer uns hierbei unterstützen möchte, kann dies über mein Projektkonto tun- Spendenbescheinigungen werden natürlich ausgestellt:
Mauer und Hauswand

Empfänger: VDM e.V.
Volksbank Syke
BIC GENODEF1SHR
IBAN DE33 2916 7624 0012 5776 00
Verwendungszweck: Hilfe für Kinder im Slum- AC367400

Ein anderer Blickwinkel...

Montag, 9. November 2015

Ein Ausflug in die Gemeinde

Manila ist eine Stadt von Extremen. Es gibt extreme Armut und extremen Reichtum. Die Kluft zwischen Reich und Arm ist groß, Straßenkinder sind nicht gerne gesehen und werden oft verachtet. In der nächsten Woche wird in Manila ein Spitzentreffen stattfinden und die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtour. U.a. werden Straßenleute knapp 80€ geschenkt bekommen mit der Bitte, sich doch für die Zeit des Treffens eine Hütte anzumieten, anstatt am Straßenrand zu schlafen.
Die Philippinen sind auch ein christliches Land. Es gibt es zahlreiche Gemeinden- sozusagen an jeder Ecke. Es gibt Gemeinden in den Slums, in denen man so gut wie nie Leute aus der oberen Schicht antreffen wird. Dann gibt es die "reichen" Gemeinden, in denen die Gottesdienste ausschließlich in Englisch gehalten werden und wo die Menschen aus den Slums schon alleine dadurch ausgeschlossen werden.
Selten kommt es vor, dass die Reichen auf die Armen zugehen- dies trifft leider auch auf viele Gemeinden zu. Die Angst vor Kriminalität und ansteckenden Krankheiten sitzt tief.
Ich gehe in eine Gemeinde, die sich sehr darum bemüht eine Gemeinde für alle Schichten zu sein. Jeder soll sich willkommen fühlen und es wird viel Wert darauf gelegt, dass man allen Besuchern mit Respekt und Wertschätzung begegnet. Es gibt Gottesdienste und Kleingruppen in der Landessprache, Straßenkinder werden abgeholt und in den Kindergottesdienst integriert und es gibt zahlreiche Projekte, wo Kinder, Jugendliche und deren Familien in den Slums erreicht werden und ihnen auch ganz praktisch durch Nachhilfezentren im Slum, Schulpatenschaften, praktische Ausbildungen u.Ä. geholfen wird.
Vor Kurzem haben wir mit unserer Kindergartengruppe einen Ausflug in die Gemeinde gemacht. Dort gibt es nämlich einen phänomenalen indoor Spielplatz, den wir benutzen durften- ein Paradies für Kinder!
Es hat mich sehr berührt, wie unsere Kinder willkommen geheißen wurden. Gleich drei Mitarbeiter kamen, um uns nicht nur zu begrüßen, sondern auch um mit den Kindern zu spielen und Zeit mit ihnen zu verbringen.
Die Kindergartenkinder waren überglücklich und genossen jede Minute. Sie durften erleben, dass sie in der Gemeinde geliebt und willkommen sind- eine Erfahrung, die sie so schnell nicht vergessen werden! 

Montag, 28. September 2015

Das Geburtstagsgeschenk


Geburtstage sind im Leben eines jeden Kindes im "Normalfall" ein absolutes Highlight. Die Vorfreude auf die Feier, die Geschenke, die Besucher gibt manchen Kindern schlaflose Nächte. Wenn es dann endlich soweit ist genießen sie es, den ganzen Tag im Mittelpunkt zu stehen. Eltern lieben es, diesen Tag mit viel Liebe vorzubereiten. So sollte es zumindest sein.
Wenn wir die Kinder im Slum fragen wann sie Geburtstag haben, bekommen wir meistens dieselbe Antwort: "Weiß ich nicht".
Der Alltag ihrer Familien ist von so vielen Problemen gekennzeichnet, dass Geburtstage schlicht und einfach untergehen. Manche
Familien haben so viele Kinder (von denen die wenigsten eine Geburtsurkunde haben), dass sich oft selbst die Mütter nicht wirklich erinnern können, wann genau ihre Kinder geboren wurden.
In unserem Kindergarten feiern wir die Geburtstage. Wir wollen den Kindern zeigen, dass wir uns über sie freuen und dass sie es wert sind, gefeiert zu werden. Wir backen einen Kuchen, sie bekommen ein Geschenk, es wird für sie gesungen und gebetet. Die meisten haben es noch nie erlebt, dass ihr Geburtstag gefeiert wurde. Da kommt es vor, dass die Kinder Tränen in den Augen haben, weil sie so gerührt sind.
Maricar (Name geändert) kommt regelmäßig nachmittags zu uns. Sie und ihre 5 Geschwister sind extrem vernachlässigt und Maricar genießt es, bei uns für ein paar Stunden ihre Probleme vergessen zu können, spielen zu dürfen und Menschen um sich zu haben, die ihre Liebe und Annahme entgegenbringen.
Vor einiger Zeit feierten wir ihren 9.Geburtstag und schenkten ihr ein schönes Sommerkleidchen. Wie hat sie sich gefreut!
Einige Tage nach ihrem Geburtstag unterhielt ich mich mit Maricar über alle möglichen Dinge. Auf einmal rutschte es ihr heraus:"Euer Geburtstagsgeschenk...das Kleid ist weg!" Etwas stutzig fragte ich sie, ob ihre Mutter es weiterverschenkt hätte. Maricar verneinte dies und blickte traurig zu Boden. Auf einmal dämmerte es mir..."Hat deine Mutter etwas das Kleid verkauft?!" Maricar nickte. Die Mutter hatte das Geburtstagsgeschenk für weniger als 1€ verkauft.
Ich war sprachlos und zugleich ärgerlich und traurig, wusste ich doch, wie viel ihr dieses Geschenk bedeutet hatte.
Solchen und noch viel schlimmeren Ungerechtigkeiten sind die Kinder, die zu uns in den Kindergarten kommen, immer wieder hilflos ausgesetzt.
Bitte betet mit uns für diese Kinder, dass sie in allen Schwierigkeiten und in der Härte ihres Alltags Gottes Fürsorge, Seine Treue und Liebe erkennen und erleben!

Montag, 14. September 2015

"Ako ang leader!! - I want to be the leader!!"



We have very nice and lovable kids at our Playgroup. Most of the time, they get along quite well and are easy to guide. However, there is a time during the day when we have a little drama on a regular basis. That is when we do "the train." At a certain time we guide the whole group outside to wash their hands, while the main room inside is set up for lunch. To avoid chaos, we hold each other’s hands and pretend we are a singing train, going to the sink .  Depending on how long it takes to prepare the room for lunch, the train sometimes makes extra rounds, reciting the songs we’ve learned.

The kids love this routine, but drama usually starts the moment we say it´s time to wash their hands. Suddenly, the kids that have a stronger personality take over and decide they will be the first person to lead the "train," meaning they are the ones guiding the whole group. The kids began to give that person a name: the leader.


Usually, it´s two kids in particular who approach me ahead of time, asking in a very demanding way to be "the leader" for that day. Sometimes they don’t even ask, but just grab a kid by the hand and command everyone else to line up behind them. But they are not the only ones. It´s interesting how even the youngest kids and the most shy kids,  who we hardly ever hear talking, suddenly come up to me whispering: "Ako ang leader ngayon (I want to be the leader today)!"

They all want to be the leader. They all want to have the say and tell everyone else (including the staff) where to go and how many rounds to make until we approach the sink. It may sound kind of funny, but there were times when the kids got into serious fights over who will be "the leader," to the point that some would refuse to join in or would even cry if they could not be the chosen one.
At times, it was really annoying for the whole group, and we had to come up with a solution.

Obviously, this issue of people wanting to be the leader is very common, and obviously also among grown up Christians. I was reminded of the well known story of the two disciples who wanted to be "somebody," sitting to the left and right of Jesus´ on His throne. Jesus’ answer to them was clear: " Whoever wants to be your leader must be your servant." (Mark 10:43)


Having this in mind, we will now choose those kids to be "the leader" who show a servant heart at some point of the day. That can simply be that they helped the little ones to open a door without us needing to ask them to do so; or they ‘go the extra mile’ in helping us tidying up toys they actually didn’t use. Hopefully, that practical application will help them understand what it means to be "a leader."














"Ich will der Anführer sein!"

In unserer kleinen Kindergartengruppe haben wir sehr liebenswerte und nette Kinder.
Meistens verstehen sie sich auch sehr gut und es ist ein gutes Miteinander in der Gruppe.
Allerdings gibt es im Laufe des Vormittags regelmäßig einen Streitpunkt: wenn es nämlich darum geht, wer den "Zug" anführen darf.
Nach dem Stuhlkreis müssen wir den Gruppenraum zum Essraum umfunktionieren. In der Zeit gehen wir mit den Kindern nach draußen zum Händewaschen. Um Chaos zu vermeiden, fassen wir uns alle an die Hände und spielen "singender Zug". Je nachdem wie lange es dauert, bis der Gruppenraum für das Mittagessen vorbereitet ist, dreht der Zug auch schon mal einige Extrarunden und wir singen die Lieder, die wir den Kindern beigebracht haben.

Den Kindern macht das mittlerweile viel Spaß (es hat etwas gedauert, bis sie es gewohnt waren zu laufen, ein anderes Kind an der Hand zu halten und dann dabei auch noch zu singen).  Allerdings gibt es fast jedes Mal Theater wenn es darum geht, wer den Zug anführen darf... Sobald wir also ankündigen, dass es zum Händewaschen geht, kommen die Kinder mit einer eher stärkeren Persönlichkeit auf mich zugerannt und teilen mir sehr bestimmt mit, dass sie an der Spitze des Zuges sein wollen. Dafür haben sie sich einen Namen ausgedacht: "Der Anführer".
Es sind meistens zwei bestimmte Kinder, die manchmal noch nicht einmal fragen, sondern einfach ein kleineres Kind an die Hand nehmen und alle anderen Kinder kommandieren, sich hinter ihnen einzureihen.
Aber selbst die kleinen und ganz schüchternen Kinder kommen auf mich zu und flüstern :"Ako ang leader ngayon! -Ich will heute der Anführer sein!"

Es ist interessant, wie viel es den Kindern bedeutet, ein "Anführer" zu sein. Sie alle wollen bestimmen und finden es toll, wenn die ganze Gruppe, einschließlich der Mitarbeiter, ihnen folgt. Sie finden es toll, wenn es an ihnen liegt wie viele Runden wir drehen bis wir zum Waschbecken gehen.
Das hört sich vielleicht ganz lustig an, aber viele Kinder finden es gar nicht lustig, wenn sie eben nicht der "Anführer" sein dürfen. Das geht zum Teil so weit, dass sie anfangen zu heulen und sich weigern, sich in die Gruppe einzureihen. Dies wiederum nervt den Rest der Gruppe gewaltig.

Offensichtlich ist das Streben nach höheren Positionen oder danach "jemand zu sein" nicht nur ein Thema unter Kindern, sondern auch unter Erwachsenen. Auch in christlichen Kreisen ist dies leider oft ein großes Problem. Schon vor ziemlich langer Zeit gab es zwei Freunde von Jesus, die ihn baten im Himmel zu seiner Rechten und Linken sitzen zu dürfen. Jesu Antwort auf diese Bitte war eindeutig: "Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein." (Markus 10, 43)

Für die Kinder im Kindergarten werden wir von nun an diejenigen als "Anführer" auswählen, die im Laufe des Vormittags an einem bestimmten Punkt eine dienende Haltung gezeigt haben. Das können Kleinigkeiten sein, wie zum Beispiel dass sie den jüngeren Kindern die Tür geöffnet haben, ohne dass wir sie darum gebeten haben oder sie mitgeholfen haben beim Aufräumen von Spielsachen, welche sie gar nicht benutzt haben.
Wir hoffen, dass sie dadurch mehr begreifen, was es bedeutet ein "Anführer" zu sein...


Sonntag, 23. August 2015

Der Zahnarzt im Kindergarten



Unsere Kindergartenkinder haben mit sehr vielen Problemen und den Auswirkungen von Vernachlässigung zu kämpfen.
Ihre Lebensumstände zu Hause bringen es u.a. mit sich, dass bei manchen Kindern oftmals die Zähne schon im Alter von drei oder vier Jahren total verfault sind.
Die meisten putzen sich zu Hause nie die Zähne, gleichzeitig sind Bonbons und andere Süßigkeiten ein beliebtes "Beruhigungsmittel" der Mütter für ihre Kleinkinder.  Auch sind die Kinder es gewohnt, Kaffee (!) und Cola zu trinken.
Einen Zahnarzt gibt es im Slum natürlich nicht, und so werden aus kleinen Löchern große Löcher und es kommt vor, dass Kinder wegen Zahnschmerzen nicht in den Kindergarten kommen.
Es war klar, dass wir hier gut Hilfe gebrauchen könnten, da wir in unserer Rapha Arztpraxis bisher noch keinen Zahnarzt haben.
Ich gehe in eine große Gemeinde und die Hilfsbereitschaft unseren Dienst im Slum zu unterstützen, berührt mich sehr. So formierte sich schnell ein Team von vier Ärzten aus der Gemeinde, davon gleich zwei Zahnärzte, die unsere Kinder und zum Teil auch deren Geschwister und Mütter kostenlos behandelten. Ein Geschäftsmann (auch aus der Gemeinde), der bei einer Zahnpasta Firma arbeitet, spendete Zahnbürsten und Zahnpasta für alle Kinder.
Neben einer medizinischen Behandlung gab es auch eine evangelistische Botschaft für die Kinder und Mütter.
Es war ein rundum gelungener Einsatz mit einem guten Miteinander!










Sonntag, 9. August 2015

"Was is´n das für´n weißes Pulver? Das kauft mein Papa auch immer..."

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns im Kindergarten mit der Schöpfungsgeschichte.
Passend zu dem jeweiligen Schöpfungstag bieten wir verschiedene Aktivitäten an und machen Ausflüge.
In den letzten zwei Wochen ging es um die Tiere, die Gott erschaffen hat und speziell um Raupen und Schmetterlinge.
Zum ersten Mal hörten die Kinder, dass aus Raupen Schmetterlinge werden...und sie konnten es nicht glauben!!
So sind wir also zu einem nahegelegenen Park gefahren, wo es auch ein Schmetterlingshaus gibt. Dort konnten die Kinder die Raupeneier, Raupen, Kokons und natürlich unzählige Schmetterlinge bestaunen.
Am nächsten Tag haben wir Plätzchen gebacken- natürlich in Schmetterlingsform.
Es war für alle Kinder das erste Mal etwas zu backen. Zunächst stellte ich die Zutaten auf den Tisch und fragte die Kinder, ob sie
diese bennen können. Als Antwort bekam ich viele ratlose Gesichter...sie kannten weder Mehl, noch Butter- mit Zimtpulver konnten sie schonmal gar nichts anfangen.
Als wir später am Teig ausrollen waren, kam ein 6jähriger Junge
hinzu und beobachtete das Geschehen.  Auf einmal deutete er auf das Mehl: "Was is´n das für´n weißes Pulver? Das kauft mein Papa auch immer!"
Sein Vater ist drogenabhängig, seine Mutter spielsüchtig. Zu Hause geht es drunter und drüber. Die Kinder im Alter von 2-9 Jahren sind extrem vernachlässigt und praktisch den ganzen Tag, manchmal
auch in der Nacht, sich selber überlassen. Zwei der fünf Kinder konnten wir im Kindergarten aufnehmen. Fast täglich vergisst die Mutter ihre Kinder abzuholen. Morgens stehen sie manchmal schon um 6h hungrig vor der Tür und warten fast drei Stunden, bis wir um 8.45h kommen und der Kindergarten beginnt. Sie finden es ziemlich gut, dass es zu Beginn immer Obst und Kakao gibt...
Genau für solche Kinder wollen wir da sein.  Im Kindergarten erleben sie zumindest für einige Stunden am Tag Fürsorge und Geborgenheit, auch wenn wir momentan noch nicht täglich geöffnet haben. Wir hoffen, dass wir so schnell wie möglich unseren Neubau
fertigstellen können, damit wir die Tagesstätte regelmäßig von Montags bis Freitags öffnen können.
Die Plätzchen waren übrigens sehr lecker und die Kinder waren total begeistert dabei. Die Mütter kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, dass ihre Kinder so etwas geschafft haben!



Montag, 27. Juli 2015

Wenn Kinder wieder lachen...


Über die letzten Wochen haben wir tolle Dinge erlebt mit den Kindern und sind sehr ermutigt.
Die meisten Kinder unserer Kindergartengruppe kommen aus sehr chaotischen Verhältnissen.
Hunger, Drogenmissbrauch in der Familie,Vernachlässigung, Ablehnung und viele andere Probleme prägen ihre Kindheit.
Selbst in den Slums haben die Familien oft einen alten Fernseher, der als Babysitter für die Kinder benutzt wird. Hier läuft allerdings kein Kinderkanal, sondern schon früh am Morgen werden die härtesten Filme eingelegt, bis hin zu Horrorfilmen. Schon mehr als einmal habe ich Kinder in den Hütten besucht und mir drehte sich fast der Magen um als ich sah, was den Kindern für Filme gezeigt wurden.
So kamen etliche der Kinder mit ernster Miene in die Kindergartengruppe. Sie waren abgestumpft, wussten nichts mit den Spielsachen anzufangen (außer diese zu zerstören...) und oft hatte ich das Gefühl, dass jegliche Kreativität verloren gegangen ist.
Statistiken besagen, dass Kinder etwas 400 Mal lachen am Tag. Das konnte ich von einigen unserer Kinder gerade nicht behaupten... Manche von ihnen haben wochenlang weder gelacht noch gelächet. Andere wiederum sprachen kein Wort.
Nach und nach blühen die Kinder auf. Sie sind viel fröhlicher und genießen die Zeit, die sie im Kindergarten verbringen dürfen.
Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man ein Kind, welches bisher nie gelächelt hat, auf einmal von ganzem Herzen lachen sieht!

video

Freitag, 26. Juni 2015

Die erste Zahnbürste...der erste Ausflug...

Die Kinder in unserer Spielgruppe erleben viele neue Dinge. Vieles, was für Kinder in Deutschland selbstverständlich ist, ist für Kindern die im Slum aufwachsen gar nicht selbstverständlich.
Unsere Spielgruppe ist bereits wie eine Kindergartengruppe aufgebaut und findet momentan- da die Arztpraxis in der Urlaubszeit geschlossen ist- vier Mal in der Woche statt. Die Kinder bleiben über Mittag und essen auch bei uns. Vor kurzem haben wir nun das Zähneputzen eingeführt.
Jedes Kind hat ein kleines Körbchen mit seiner Zahnbürste, Zahnpasta und Handtuch. Diese wurden von den Müttern sehr bewundert. Wenn sie nun bei ihren Nachbarn "Werbung" für uns machen, hört man meistens Aussagen wie: "Die kümmern sich wirklich gut um die Kinder. Die Kinder haben sogar ihr eigenes Handtuch, ihre eigene Zahnpasta und Zahnbürste. Und Vitamine bekommen sie auch."
Als ich die Körbchen zurecht machte, forderte ich einen 5-jährigen Jungen auf, sich seine Zahnbürste auszusuchen. Er schaute mich nur fragend an und hatte keine Ahnung, was eine Zahnbürste ist und was man damit macht. So ging es fast allen Kindern!

Die meisten Kinder kennen nichts anderes als ihr Slumgebiet.  Um ihren Horizont zu erweitern und ihnen zu zeigen, dass es noch mehr gibt als die Lastwagen, die tagein tagaus durch den Slum zur Zementfabrik brettern, haben wir beschlossen regelmäßig Ausflüge zu machen.
Vor ein paar Tagen war es also soweit- wir fuhren mit einem Teil der Gruppe auf den Spielplatz einer nahegelegenen amerikanischen Schule. Ca. 20km Fahrt war wie eine Weltreise für die Kinder.
Am Spielplatz angekommen war die Begeisterung riesig- so etwas hatten sie noch nie gesehen und erlebt! Die Freude der Kinder beim Klettern, Schaukeln, Rutschen und Spielen zu erleben war einfach einmalig!!!
















Mittwoch, 10. Juni 2015

Geben ist seliger als Nehmen!

Unsere Arbeit unter den Kindern von Solid Cement wird komplett aus Spenden finanziert. Diese kommen überwiegend aus Deutschland.
Es freut mich jedes Mal sehr, wenn Filipinos Verantwortung für ihre Landsleute übernehmen, und wir hier vor Ort (Sach)Spenden bekommen. Leider kommt dies nicht sehr oft vor.
Umso mehr überraschte mich eine Nachricht von einer Mutter aus Solid Cement. Das Team der Rapha Clinic konnte ihr und ihren Kindern schon oft helfen und sie hat eine herzliche Beziehung zu allen Mitarbeitern. Zwar geht es ihr und ihrer Familie materiell etwas besser, als den meisten Familien in ihrer Nachbarschaft, trotzdem sind sie für deutsche Verhältnisse arm und ihr Alltag ist sehr herausfordernd.
Mit großem Interesse verfolgt sie die Entwicklung unseres Dienstes, hat sie doch selber ein großes Herz für arme und vernachlässigte Kinder.
So schrieb sie mir gestern:"Ich habe gesehen, dass ihr den Kindern in der Spielgruppe eine warme Mahlzeit gebt. Früher waren wir auch sehr arm. Wir hatten noch nicht einmal genügend Geld, um unserem Sohn Flip Flops zu kaufen. Die Leute haben uns verachtet wegen unseren Lebensumständen. Dann habe ich gebetet, dass Gott meinem Mann doch Arbeit geben würde. Gott hat mein Gebet erhört. Langsam aber sicher ging es bergauf und heute können wir sogar anderen helfen, denen es schlechter geht als uns. Ich bin Gott so dankbar und ich bin auch euch so dankbar für eure Hilfe! Ich würde euch gerne Reis und Milchpulver spenden für die Kinder."
Strahlend kam sie also heute in die Rapha Clinic, bepackt mit Milchpulver und 20 Kg Reis!